Was bin ich froh, dass die Laptops immer leichter und leistungsvoller geworden sind. Meinen habe ich sogar richtig lieb gewonnen. Es gibt Situationen, da sind diese, lassen Sie mich dieses bemühte Bild weiter strapazieren: kleinen Riesen von unschätzbarem Wert. Dabei war mir das vor ein paar Tagen noch gar nicht so bewusst, dass mir dieser Laptop mal mein Monatsgehalt retten könnte. Der kleine Lüfter surrt schon ganz geschmeichelt durch diesen Hochgesang, und ich möchte Ihnen nun auch verraten, wieso ich ihn anstimme.
Es geschah am vergangenen Sonntag. Denke ich genau nach, so stimmt das nicht, sondern es kündigte sich schon Wochen und Monate vorher an, was sich dann in meiner unglaublichen Leichtsinnigkeit an diesem Morgen vollendete, und zwar mit einem lauten KRACK im Rücken. Ich hielt meinen dreijährigen Sohn auf dem Arm, während ich auf dem Weg in die Küche war, als dieses Geräusch, dieses KRACK, meine Wirbelsäule hinaufschoss bis zu meinem Hirn und dort ein regelrechtes Feuerwerk lostrat. Dies war der Auftakt zu einer Hexenschuss-Arie.
Der Schmerz war unglaublich; ich war in dem Moment zu nichts mehr fähig und ließ sogar unser Sohn fallen, zum Glück bot der unter mir befindliche Teppich ein weiches Ende für sein traumatische Erlebnis. Während also der virtuelle Dolch im Rücken aus mir einen schreienden Streetdancer mit einer äußerst unästhetischen Bodenperformance machte, wusste ich in diesem Moment, dass erstens aus diesem Sonntag nicht mehr viel werden würde und zum anderen meine finanzielle Zukunft eine drastische Delle erfahren dürfte. Dachte ich.
Vor ein paar Tagen, ich saß gerade 48 Stunden vor dem Fernseher und kannte sogar diverse Biographien diversester Konsonanten-Promis aus Dschungel und Big-Brother-Bunker auswendig, rief mich an ein Freund an. Ich erzählte ihm von meiner prä-geriatrischen Erfahrung in den vergangenen Tagen und auch davon, dass wohl meine nächste Monatsabrechnung deutlich spärlicher ausfallen würde. Dazu müssen Sie wissen: ich bin seit einiger Zeit als Freiberufler tätig und schreibe diverse Texte für Wochenzeitschriften. Mein Arbeitsplatz ist eine mit einem ehemaligen Kommilitonen angemietete Geschäftsraum-Kleinsteinheit, dort befindliche zwei beinahe ausgediente PCs mit einem Windows-Netzwerk und einer Office-Lizenz, auf dass wir fröhlich und kreativ vor uns hintippen können. An dieser Stelle lassen Sie mich noch einmal meinen Smava-Kredit für Selbstständige anpreisen, der mir das ermöglicht hat. Mehr Investition ist in dieser Anfangszeit aber dann einfach nicht möglich.
Zurück zu dem Anruf: ich erzählte also von meiner unfreiwilligen Passivität. Mit dieser nebst meinem vielleicht sublim eingeflochtenen Selbstmitleid konnte mein Freund allerdings nicht viel anfangen, wofür ich ihm im Nachhinein auch dankbar bin. Er fragte mich, wieso ich nicht einfach meinen Laptop benutzen würde. „Na, Du bist lustig“, entgegnete ich. „Weißt Du nicht, wie viel so eine Office-Lizenz kostet? Ich kann ja wohl kaum ein für das Auge wohlgefälliges Machwerk auf dem windows-eigenen Notizbuch kreieren. „Idiot“, entgegnete er in seiner gewohnt nonchalanten Art, „da gibt’s ja wohl Gratisalternativen zu Word!“ Ach? Mein Erstaunen war groß.
Er verriet mir, dass die nach der Weltmacht strebende Firma Google ja ein Programmpaket anbietet, das vollkommen kostenlos ist. Seit einiger Zeit kann man innerhalb von „Google Pack“ auch die Office-Alternative „StarOffice 8“ kostenlos downloaden. Diese ist normalerweise bei der Herstellerfirma Sun ebenfalls nur für knapp 70$ zu haben, beinhaltet auch eine Word, Excel.und Powerpoint-Alternative und ist mit den Microsoft-Formaten weitgehend kompatibel.
Sie sehen es ja: gerade tippe ich einen StarOffice-Text, und für Sie wie auch für mich bei der Eingabe sieht die ganze Sache dem gewohnten Word ziemlich ähnlich. Und wo ich hier gerade so liege und meinem geliebten Laptop die Tastatur massiere und, das ist wohl am wichtigsten, in diesem Monat trotz Hexenschuss mich wohl doch nicht nur von Dosenravioli ernähren werde, habe ich mir auch gleich Gedanken gemacht, wie man heutzutage noch Geld machen kann, wo man das kaum erwartet:
Wenn Sie in der Lage sind, gut lesbare und lebendige Texte zu verfassen, so sollten Sie im Internet auch als Student oder Hausfrau Geld nebenher verdienen können. Denn Texte werden immer gebraucht. Sie haben Erfahrungen gemacht, die andere noch nicht gemacht haben. Und dieser individuell erworbene Erfahrungscocktail schlürft sich nur zu gut bei denen, die in ähnlichen Situationen stecken wie Sie. Sei es, dass Sie wissen, wie man Tischdecken schnell und effektiv bügelt oder wie man ein Fahrrad repariert. Vielleicht haben Sie ja bereits ein Haus gebaut und kennen Tipps und Tricks zur Baufinanzierung. Ihr Sohn macht ständig in die Hose, und Sie haben einen erzieherischen Trick gefunden, wie er ganz schnell und freudig auf die Toilette rennt. Der Laserdrucker will mal wieder nicht und Sie haben ihn trotzdem Ihrem Willen unterworfen? Sie haben vielleicht ein besonders originelles Geburtstagsgeschenk gefunden? All so etwas sind wertvolle Erfahrungen, die man einem Publikum servieren kann.
So, genug massiert. Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen Denkanstoß geben, ich werde meinem Rücken noch einmal eine wohl verdiente Pause geben, bevor ich dann wieder meine Koffer packe und mein Hexenschuss-HomeOffice eröffne. Auf jeden Fall macht es mir definitiv mehr Spaß von zuhause aus zu arbeiten als bei einem albernen Firmenevent rum zu hängen :-) Ich wünsche Ihnen, dass Sie gesund bleiben und ein paar Euro extra.